Geografie

Breitengrad und Sonnenstand: von der Mitternachtssonne bis zur Polarnacht

Je weiter man nach Norden oder Süden reist, desto stärker verändert sich der Lauf der Sonne. Am Äquator ist der Tag das ganze Jahr gleich lang, an den Polen wechseln sich monatelanger Tag und monatelange Nacht ab. Dieser Text erklärt, wie der Breitengrad den Sonnenstand prägt, was die Polarkreise bedeuten und warum es Mitternachtssonne und Polarnacht überhaupt gibt.

Je weiter man nach Norden oder Süden reist, desto stärker verändert sich der Lauf der Sonne. Am Äquator ist der Tag das ganze Jahr gleich lang, an den Polen wechseln sich monatelanger Tag und monatelange Nacht ab. Dieser Text erklärt, wie der Breitengrad den Sonnenstand prägt, was die Polarkreise bedeuten und warum es Mitternachtssonne und Polarnacht überhaupt gibt.

Der Breitengrad bestimmt den Sonnenbogen

Der Breitengrad gibt an, wie weit ein Ort vom Äquator entfernt ist, gemessen in Grad von null am Äquator bis neunzig an den Polen. Diese Zahl entscheidet darüber, wie hoch die Sonne maximal steigen kann und wie stark sich die Tageslänge über das Jahr ändert. Am Äquator steht die Sonne mittags fast senkrecht über dem Kopf, und Tag und Nacht sind das ganze Jahr über ungefähr gleich lang, jeweils zwölf Stunden. Es gibt dort kaum einen Unterschied zwischen Sommer und Winter, jedenfalls nicht in der Tageslänge.

Je weiter man sich von Äquator entfernt, desto flacher steht die Sonne und desto größer wird der Unterschied zwischen den Jahreszeiten. In Deutschland, das etwa zwischen siebenundvierzig und fünfundfünfzig Grad nördlicher Breite liegt, ist dieser Unterschied schon deutlich, lange Sommertage und kurze Wintertage. Noch weiter nördlich, in Skandinavien, wird er extrem. Der Grund ist immer derselbe, die Neigung der Erdachse, die sich je nach Breitengrad unterschiedlich stark auswirkt.

Die Polarkreise als Schwelle

Bei genau sechsundsechzigeinhalb Grad Breite liegen die Polarkreise, im Norden der nördliche, im Süden der südliche. Diese Linie markiert eine besondere Schwelle: Sie ist der südlichste Punkt, an dem die Mitternachtssonne und die Polarnacht auftreten können. Der Wert sechsundsechzigeinhalb Grad ergibt sich direkt aus der Achsneigung der Erde von dreiundzwanzigeinhalb Grad, denn neunzig minus dreiundzwanzigeinhalb ergibt sechsundsechzigeinhalb.

Genau am Polarkreis geht die Sonne an der Sommersonnenwende nicht unter, sie berührt um Mitternacht gerade den Horizont und steigt wieder. An der Wintersonnenwende geht sie umgekehrt gar nicht erst auf. Reist man weiter nach Norden, dehnt sich die Phase der Mitternachtssonne im Sommer und der Polarnacht im Winter auf immer mehr Tage aus, bis am Pol selbst ein halbes Jahr Tag und ein halbes Jahr Nacht herrscht.

BreitengradOrt (Beispiel)Tageslänge im SommerBesonderheit
Äquator (Quito)rund 12 Stundenganzjährig gleich lang
52°Berlinrund 16,5 Stundendeutliche Jahreszeiten
60°Oslo, Helsinkirund 18,5 Stundenhelle Sommernächte
66,5°Polarkreis24 Stunden zur SonnenwendeBeginn Mitternachtssonne
90°Nordpolein halbes Jahr Tagextremster Fall

Die Mitternachtssonne

Die Mitternachtssonne ist eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele der hohen Breiten. Nördlich des Polarkreises bleibt die Sonne im Hochsommer rund um die Uhr über dem Horizont. Sie zieht ihren Bogen über den Tag, sinkt am Abend tief Richtung Norden, berührt dort fast den Horizont und steigt dann wieder, ohne unterzugehen. Um Mitternacht steht sie also tatsächlich am Himmel, wenn auch tief im Norden. Je näher am Pol, desto höher bleibt sie auch nachts.

Für Menschen aus mittleren Breiten ist das gewöhnungsbedürftig. Es wird schlicht nicht dunkel, oft über Wochen. Das hat praktische Folgen, von der Schwierigkeit einzuschlafen bis zur Notwendigkeit, Fenster gut zu verdunkeln. Touristisch ist die Mitternachtssonne ein großer Anziehungspunkt, etwa im Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands. Der Sonnenstand-Rechner zeigt für solche Orte korrekt an, dass es während dieser Phase keinen Sonnenuntergang gibt, statt eine sinnlose Uhrzeit auszugeben.

Die Polarnacht

Das Gegenstück ist die Polarnacht. Im Winter bleibt die Sonne nördlich des Polarkreises über Tage oder Wochen ganz unter dem Horizont. Das bedeutet aber nicht völlige Dunkelheit. Auch wenn die Sonne nicht aufgeht, gibt es um die Mittagszeit oft eine ausgedehnte Dämmerung, in der der Himmel im Süden in gedämpften Farben leuchtet. Erst sehr weit im Norden, nahe dem Pol, wird es über längere Zeit wirklich finster.

Die Polarnacht prägt das Leben in den nördlichen Regionen stark. Die Menschen dort haben über Generationen Wege gefunden, mit der langen Dunkelheit umzugehen. Auch hier zeigt der Rechner für betroffene Orte und Daten korrekt an, dass kein Sonnenaufgang stattfindet. Diese Sonderfälle korrekt zu behandeln, ist technisch anspruchsvoller, als es klingt, denn eine einfache Formel würde hier eine Zeit ausrechnen, die es gar nicht gibt. Ein sauberer Algorithmus erkennt, dass die Sonne den nötigen Höhenwinkel an diesem Tag nie erreicht, und meldet stattdessen die Polarnacht.

Horizont Mitternacht Mittag Mitternacht Am Polarkreis berührt die Sonne zur Sommersonnenwende um Mitternacht nur den Horizont.
Mitternachtssonne am Polarkreis: Die Sonne sinkt zum Horizont, geht aber nicht unter, sondern steigt wieder.

Warum die Sonne im Norden flach steht

Ein oft missverstandener Punkt ist, dass die Sonne in hohen Breiten auch im Hochsommer nie so hoch steigt wie in den Tropen. In Deutschland erreicht die Sonne zur Sommersonnenwende mittags eine Höhe von rund einundsechzig Grad in Berlin, mehr wird es nicht. Am Äquator steht sie zweimal im Jahr senkrecht im Zenit. Dieser Unterschied erklärt, warum das Licht im Norden auch im Sommer eine andere Qualität hat, flacher, weicher, mit längeren Schatten. Die langen Sommertage gleichen die geringere Mittagshöhe in der Gesamtenergie teilweise aus, aber das Licht selbst bleibt schräger.

Dieser flache Einfall ist auch der Grund, warum die goldene Stunde in hohen Breiten so lang dauert. Wenn die Sonne ohnehin nur flach über den Horizont kommt, bleibt sie lange in dem niedrigen Höhenbereich, der das warme Licht erzeugt. Fotografen schätzen die nordischen Sommer deshalb besonders, das gute Licht zieht sich über Stunden statt über Minuten.

Wie sich die Auf- und Untergangsrichtung mit der Breite ändert

Nicht nur die Tageslänge hängt vom Breitengrad ab, sondern auch die Richtung, in der die Sonne auf- und untergeht. Am Äquator geht die Sonne das ganze Jahr über nahezu genau im Osten auf und im Westen unter, mit nur geringen Schwankungen. In mittleren Breiten wandert der Aufgangspunkt über das Jahr deutlich: im Sommer weit in den Nordosten, im Winter in den Südosten. Je weiter man nach Norden kommt, desto größer wird diese Wanderung des Auf- und Untergangspunkts entlang des Horizonts.

In hohen Breiten kann die Sonne im Sommer fast den gesamten nördlichen Horizont umrunden. Wer in Nordnorwegen die Mitternachtssonne beobachtet, sieht die Sonne nicht im Westen verschwinden und im Osten wieder auftauchen, sondern einen flachen Kreis über den Nordhimmel ziehen. Diese ungewohnte Bewegung macht den Reiz der hohen Breiten aus und ist gleichzeitig der Grund, warum einfache Faustregeln über die Himmelsrichtung dort nicht mehr greifen. Der Rechner berücksichtigt die tatsächliche Geometrie und liefert auch für solche Orte korrekte Werte, soweit die Sonne überhaupt auf- und untergeht.

Deutschland im internationalen Vergleich

Im weltweiten Maßstab liegt Deutschland in einem moderaten Bereich. Die Jahreszeiten sind deutlich spürbar, aber die Extreme der Polargebiete bleiben fern. Der Unterschied zwischen dem längsten und dem kürzesten Tag beträgt in Deutschland je nach Breite acht bis neun Stunden. In Rom, weiter südlich, ist der Unterschied kleiner, in Stockholm, weiter nördlich, deutlich größer. Wer schon einmal im Hochsommer in Skandinavien war oder im Winter dort, kennt den Sprung: Plötzlich wird es entweder kaum dunkel oder kaum hell, ein Erlebnis, das in Deutschland in abgeschwächter Form vor allem der Norden bietet.

Innerhalb Deutschlands sind die Unterschiede zwischen Nord und Süd zwar messbar, aber moderat. Zwischen Flensburg ganz im Norden und Konstanz ganz im Süden liegen etwa acht Breitengrade, was sich vor allem an den langen Sommertagen zeigt: Im Norden dauert der längste Tag rund eine Stunde länger als im Süden. Im Winter kehrt sich das um, der Süden hat dann die etwas längeren Tage. Wer die genauen Werte für seine Stadt sehen will, findet sie auf den Stadtseiten dieses Rechners, die für jede Stadt die Tageslängen zu den vier Eckpunkten des Jahres ausweisen.

Was das für den Rechner bedeutet

Für die allermeisten bewohnten Orte der Erde liefert der Sonnenstand-Rechner schlicht zwei Uhrzeiten, Aufgang und Untergang. In den extremen Breiten jedoch zeigt sich, ob ein Rechner sauber gebaut ist. Er muss erkennen, wann es keinen Sonnenaufgang gibt, sei es wegen Mitternachtssonne oder Polarnacht, und das auch so benennen, statt eine falsche Zeit auszugeben. Dieser Rechner berücksichtigt die Polarfälle korrekt. Für deutsche, österreichische und schweizerische Städte spielt das im Alltag keine Rolle, sie liegen alle weit südlich des Polarkreises. Wer aber eine Reise in den hohen Norden plant oder einfach wissen will, wie der Sonnenlauf an einem Ort wie Tromsø oder am Nordkap aussieht, bekommt eine korrekte Antwort, einschließlich des Hinweises, dass die Sonne dort zu bestimmten Zeiten gar nicht auf- oder untergeht.

Häufige Fragen

Was ist die Mitternachtssonne?

Nördlich des Polarkreises bleibt die Sonne im Hochsommer rund um die Uhr über dem Horizont. Sie sinkt am Abend tief Richtung Norden, berührt dort fast den Horizont und steigt wieder, ohne unterzugehen. Um Mitternacht steht sie also tief im Norden am Himmel. Je näher am Pol, desto höher bleibt sie auch nachts.

Warum liegt der Polarkreis bei 66,5 Grad?

Der Wert ergibt sich direkt aus der Achsneigung der Erde von 23,5 Grad: Neunzig minus 23,5 ergibt 66,5. Der Polarkreis ist die Schwelle, ab der die Sonne zur Sommersonnenwende nicht mehr untergeht und zur Wintersonnenwende nicht mehr aufgeht. Weiter nördlich dehnt sich diese Phase auf immer mehr Tage aus.

Wird es während der Polarnacht völlig dunkel?

Nicht unbedingt. Auch wenn die Sonne nicht aufgeht, gibt es um die Mittagszeit oft eine ausgedehnte Dämmerung, in der der Himmel im Süden in gedämpften Farben leuchtet. Erst sehr weit im Norden, nahe dem Pol, wird es über längere Zeit wirklich finster. Die Polarnacht ist also meist eher eine lange Dämmerung als völlige Schwärze.

Steht die Sonne im Norden im Sommer hoch am Himmel?

Nein, sie bleibt auch im Hochsommer flach. In Berlin erreicht sie zur Sommersonnenwende mittags nur rund einundsechzig Grad Höhe, am Äquator steht sie dagegen zweimal im Jahr senkrecht im Zenit. Dieser flache Einfall gibt dem nordischen Licht seine weiche Qualität und lässt die goldene Stunde dort besonders lange dauern.

Behandelt der Rechner Mitternachtssonne und Polarnacht korrekt?

Ja. Der Rechner erkennt, wenn die Sonne an einem Tag den nötigen Höhenwinkel nie erreicht, und meldet dann Mitternachtssonne oder Polarnacht, statt eine falsche Uhrzeit auszugeben. Für deutsche, österreichische und schweizerische Städte ist das nie der Fall, sie liegen alle weit südlich des Polarkreises.

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Verwendete Quellen

Stand: 2026-05-27. Korrektur-Hinweise an info@akara-solutions.de oder über die Methodik-Seite.

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